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Kristina Markovic


Bundesland: Hessen
Profil: Profil: Kristina Markovic
Gründerin
Büro für Architektur, Innenarchitektur und Design



"Ich wusste schon immer, dass ich mit meiner Kreativität Geld verdienen wollte…"


Kristina Markovic gründet 2009 im Alter von 27 Jahren in Marburg ihr Büro für Architektur, Innenarchitektur und Design. Von der Komplettgestaltung ganzer Ladenketten über das Entwerfen von Lampen und Möbeln bis hin zur Inneneinrichtung von Privatwohnungen gibt es nichts, was die Designerin nicht kreativ gestalten kann.

„Wähle einen Beruf, den du liebst, und du brauchst keinen Tag im Leben mehr zu arbeiten“ – treffender als mit diesem Aphorismus, der von dem großen chinesischen Philosophen Konfuzius überliefert ist, könnte man das Wirken von Kristina Markovic kaum überschreiben. Die Liebe der 32-Jährigen ist das kreative Gestalten, wobei der Begriff Kreativität für das Ideenfeuerwerk, das die FH-Diplom-Ingenieurin der Architektur tagtäglich entzündet, fast schon zu prosaisch anmutet. Als selbstständige Ingenieurin und Designerin konzipiert sie die Einrichtung von Geschäfts- und Privaträumen, entwirft Lampen und Möbelstücke und zeigt auf ihrem Blog, wie man mit Restbeständen aus dem Haushalt stylische Dekorationen selbst basteln kann. Das Talent für diesen Berufsweg scheint ihr in die Wiege gelegt worden zu sein, doch dass aus Ambitionen berufliche Erfolge geworden sind, ist auch der pragmatischen Haltung zu verdanken, mit der die junge Frau ihren Weg in die Freiberuflichkeit systematisch geplant hat.


Wenn van Gogh das wüsste – Ein geschäftstüchtiges Mädchen entdeckt, wie sich mit Kreativem Geld verdienen lässt

„Zu malen, zu basteln, Dinge zu gestalten, liegt mir irgendwie im Blut. Schon im Kindesalter war ich ständig mit irgendwelchen Projekten beschäftigt und habe mich kreativ ausgetobt“, erzählt Kristina Markovic. Dabei entwickelt sie schon als Mädchen auch eine gute Portion Geschäftssinn. Zunächst sind es abgemalte Disney-Figuren, die sie für 50 Pfennig das Stück an ihre Klassenkameraden verkauft. Mit elf, zwölf Jahren wagt sie sich daran, Bilder von van Gogh nachzumalen und verkauft sie an erwachsene Kunstliebhaber, die sich ein Original nicht leisten können. Auch im Teenie-Alter bleibt Markovic ihrer kreativen Ader treu. Sie entdeckt Graffitis für sich, entwickelt ein Interesse fürs Handwerkliche und restauriert Möbel. Eigentlich ist sie schon damals auch Innenarchitektin – in eigener Sache, denn ihr Jugendzimmer wird für sie zum Testfeld dafür, was man aus Räumen so alles machen kann.

„Im Kern wusste ich schon immer, dass ich mal einen kreativen Beruf ausüben möchte. Aber nach dem Abitur war ich sehr unsicher, was ich genau machen könnte“, beschreibt die junge Frau eine wichtige Phase des Übergangs in ihrem Leben. Weil ihre beruflichen Herzenswünsche noch nicht genügend Kontur entwickelt haben und ihre Mutter, eine kaufmännische Angestellte, ihr dazu rät, „etwas Ordentliches“ zu machen, lässt sie sich auf eine Lehre zur Augenoptikerin ein – deutlich spürend, dass dies noch lange nicht das letzte Wort ist: „Diese dreijährige Ausbildung war für mich eine Zeit der Reife. Mir wurde schnell klar, dass ich in diesem Beruf niemals arbeiten werde. Aber vielleicht konnte ich gerade deshalb nur umso klarer erkennen, was mein wirklicher Weg sein wird.“

Gut geplant ist gut gegründet – Fließender Übergang vom Studentinnenleben zum eigenen Business

Der erste Kontakt mit dem Berufsleben schärft den Blick der Anfang 20-Jährigen dafür, welche beruflichen Rahmenbedingungen sie sich für ihr weiteres Leben wünscht und wie sich diese Wünsche mit ihrer großen Leidenschaft verbinden lassen. „Innenarchitektur hat mich wahnsinnig interessiert, doch solche Aufträge werden zumeist im Zuge eines Gesamtbauvorhabens an die Architekten mitvergeben. Außerdem wollte ich mich nicht im Studium schon beschränken. Ein Gespür für Farbe, Formen und Materialien kann man auch selbst entwickeln. Mich hat es gereizt, möglichst viel Neues zu lernen“, erklärt die Marburgerin ihre Entscheidung, an der Fachhochschule Architektur zu studieren.

Bei Baustellen-Praktika lernt die Studentin von der Pike auf, wie die Räume, die es später zu gestalten gilt, Stein auf Stein entstehen und packt selbst richtig an. Weil sie genau weiß, was sie will, fällt es ihr nicht schwer, von den meist reinen Männerteams am Bau akzeptiert zu werden. „Ich musste mich schon reinknien, aber meine Leidenschaft hat die Kollegen wohl überzeugt“, sagt sie und lacht. Der Übergang in die Freiberuflichkeit, die in der Branche eher die Regel denn eine Ausnahme ist, gestaltet sich für die angehende Diplom-Ingenieurin fließend. Schon während des Studiums nimmt sie an Wettbewerben teil und wickelt erste Aufträge ab.

Kristina Markovic weiß nur zu gut, dass der Markt umkämpft ist. Deshalb investiert sie in die formale Gründung ihres Büros viel Recherchearbeit. „Ich habe einen Existenzgründungskurs für Frauen besucht, an einem Businessplan-Wettbewerb teilgenommen, mir mit unzähligen Checklisten und Fragebögen Gedanken darüber gemacht, wie viel ich einmal verdienen möchte, und welche Stundenlöhne ich dafür ansetzen muss“, erzählt die Designerin. Die Idee, sich vor allem an Privatkunden zu richten, verwirft sie schnell, da gewerbliche Aufträge lukrativer sind und ihrer Erfahrung nach Geschäftskunden, weil sie sich nicht selbst um jedes Detail kümmern können und möchten, ihren Dienstleistern viele Freiheiten lassen. Eine Gründungsfinanzierung benötigt die angehende Geschäftsfrau nicht, da sie vom Home Office aus arbeitet und außer einem Computer und Drucker keine kostenintensive Ausrüstung benötigt. Und so ist ihr offizieller Start in die Freiberuflichkeit, den sie 2009, inzwischen 27 Jahre alt, direkt nach dem Diplom vollzieht, eigentlich keine große Sache.

„Die Kreativwirtschaft ist eine Branche mit großem Zukunftspotential und birgt für Gründerinnen gute  Chancen. Der Erfolg einer beruflichen Selbstständigkeit hängt jedoch auch davon ab, ob Geschäftsideen wirtschaftlich tragfähig sind. Um sich am Markt  längerfristig zu etablieren, ist die Zahlenseite ebenso wichtig wie die kreative Gestaltungskraft und das schöpferische Tun. Über die bundesweite gründerinnenagentur stehen in allen Bundesländern Expertinnen und Experten zur Verfügung, die angehenden Freiberuflerinnen und Unternehmensgründerinnen dabei helfen, ihre Geschäftsideen auf eine solide finanzielle Basis zu stellen“, so Iris Kronenbitter, Leiterin der bundesweiten gründerinnenagentur.

Listen machen und dann loslassen – Im Flow der eigenen Kreativität Optionen für Aufträge zu erspüren, erspart mühsame Akquise

Zwar ist Kristina Markovic über die Maßen kreativ, aber ein Schöngeist ist sie nicht. Und so wundert es nicht, dass sie – in der Theorie – auch eine Expertin in Sachen Akquise ist. Gebraucht hat sie dieses Know-how indes noch nicht, denn, vielleicht gerade weil sie immer auf alle Eventualitäten vorbereitet ist, scheinen spannende Aufträge durch ihre Leidenschaft geradezu magisch angezogen zu werden. Als Stammgast des Marburger Lokals „Salädchen“ liebt sie zwar das Essen dort, kann es sich aber auch nicht verkneifen, mit den Eigentümern über mögliche Verbesserungen der Innenausstattung zu sprechen. Als diese sich zur Expansion im Rahmen eines Franchise-Modells entschließen und die Architektentätigkeit ausschreiben, beteiligt sich die junge Ingenieurin und bekommt schließlich den Auftrag. „Das ist für mich das perfekte Projekt. Ich habe mit Menschen zu tun, die mit Leib und Seele dahinter stehen. Und ich habe bei der Einrichtung neuer Lokale die komplette Bauleitung, koordiniere alle Gewerke und kümmere mich um die gestalterischen Details“, schwärmt die Freiberuflerin. Da die Kette expandiert, bedeutet das Folgeaufträge, und so hat Kristina Markovic nicht nur das erste Lokal in Gießen neugestaltet, sondern inzwischen auch die Eröffnung fünf weiterer Dependancen in Frankfurt, Berlin und Freiburg begleitet.

Zum Erfolgsrezept der 32-Jährigen gehört es, immer einen Plan zu haben. „Ich habe schon als Teenager Listen gemacht, was meine kurzfristigen und langfristigen Ziele sind, denn nur, wenn ich mir selbst darüber im Klaren bin, was ich mir wünsche, kann ich es auch erreichen“, erzählt die Marburgerin. Diese Notizen muss sie gar nicht einmal sklavisch abarbeiten, denn allein der Prozess der Fokussierung, der mit dem Nachdenken verbunden ist, scheint im Hinterkopf Wege zu ebnen, die die Designerin dann mit graziler Leichtigkeit beschreitet. Ihre Liebe zu Lampen beispielsweise hat sie schon bei verschiedenen Wettbewerben mitmachen und diese zum Teil auch gewinnen lassen.

Ob stylische Unikate, gefertigt aus Holzresten oder anderen Recycling-Materialien, oder das in Serie gegangene Modell „Doodle“, eine schicke Tischlampe, die sich mit Tafelkreiden, die in das Design integriert sind, bemalen lässt – sowohl die lokalen Medien als auch überregionale Design- und Frauenzeitschriften stellen immer wieder die Werke und Projekte der ambitionierten Designerin vor, was neue Kunden auf den Plan ruft. So wurde die Universität Marburg durch einen Artikel in der Regionalpresse auf die Designerin aufmerksam. Mit dem Ergebnis, dass sie den Auftrag bekam, die Mensa neu zu gestalten. „Das ist nicht nur ein sehr prestigeträchtiger Auftrag. Ich hatte in den Designentwurf von mir selbst entworfene Lampen integriert, und da diese dem Kunden sehr gut gefallen haben, gehen sie nun in die Serienproduktion“, erzählt die Freiberuflerin.

„Ein erfolgreicher Start in die unternehmerische Selbstständigkeit ist eine Sache, doch meist zeigt sich erst über die Jahre, ob ein Geschäftsmodell auch dauerhaft tragfähig ist und die Gründerin die Herausforderungen auch annimmt und entwickelt. Die regionalen Partnerinnen und Partner der bundesweiten gründerinnenagentur begleiten Unternehmerinnen deshalb auch nach der formalen Gründung in der Festigungsphase der Unternehmensentwicklung. Sie beraten sie über Förderprogramme, die beispielsweise Coachings für Unternehmerinnen anbieten oder bei der Finanzierung weiterer Expansionspläne greifen“, so Iris Kronenbitter, Projektleiterin der bundesweiten gründerinnenagentur.

Herausforderungen begegnet man am besten mit Selbstbewusstsein und Willenskraft

Wenngleich Kristina Markovic mit ihrer Freiberuflichkeit seit dem Anfang sehr erfolgreich ist, sind Herausforderungen ihr doch nicht fremd. „Ich hatte mal eine Kundin, die wollte ihre Rechnung nicht bezahlen. Das hat mich anfangs total schockiert. Und es ist mir nicht leicht gefallen, auf meiner Forderung zu bestehen. Mag sein, dass das ein typischer Zug von Frauen ist, den Wert ihrer Arbeit nicht so leicht vermitteln zu können. Ich jedenfalls musste da auch ein Stück weit hineinwachsen“, erzählt die Designerin.

Neben Disziplin und Ehrgeiz ist ein angemessenes Selbstbewusstsein für die 32-Jährige der Schlüssel für ihre Karriere. Sie scheut sich nicht, auch große Träume zu haben und zu zeigen, dass sie nicht nur eine ist, „die ein bisschen mit dem Farbfächer wedelt“: „Ich würde schon einmal gerne in der Vogue Business porträtiert werden, eine Kolumne in einem renommierten Magazin schreiben oder eine eigene Fernsehsendung bestreiten, denn meine Gastauftritte im Fernsehen zu Einrichtungsthemen haben mir eine Menge Spaß gemacht!“

Die weiteren Expansionspläne von Kristina Markovic lassen daher noch Großes erwarten. „Ich würde gerne noch mehr Hotels einrichten, denn ich liebe es, aus geringen Ressourcen viel zu machen. Auch die Gestaltung von Arztpraxen oder Kanzleien stelle ich mir reizvoll vor, denn oft fühle ich mich an solchen Orten nicht sonderlich wohl. Auch könnte ich mir vorstellen, an Universitäten und Fachhochschulen Kurse für Existenzgründer zu geben, denn ich bekomme immer wieder Mails und Anrufe von angehenden Kreativen aus aller Welt , die mich nach meinen Erfolgsrezepten fragen“, denkt die Diplom-Ingenieurin laut über die Zukunft nach. Die Frage „Wohnst du noch, oder lebst du schon“ hat die junge Frau längst für sich beantwortet – wie, können die Kunden eines großen Möbelhauses in einer der nächsten Ausgaben von dessen Einrichtungsmagazin betrachten, denn das war kürzlich für eine Homestory bei der Gründerin zu Besuch.

Zur Unternehmenswebsite: http://www.kristinamarkovic.com





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