Logo bundesweite gründerinnenagentur
Logo ifex

Veye Wirngo Tatah


Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Profil: Veye Wirngo Tatah
Gründerin
Kilimanjaro Food


In meiner Selbstständigkeit lebe ich meine Berufung und wenn man hartnäckig ist, erreicht man jedes Ziel


Veye Wirngo Tatah machte sich 2008 in Dortmund als Beraterin und Projektmanagerin mit dem Fokus Afrika selbstständig / Ihre Leidenschaft für ihr Geburtsland Kamerun bildet die Basis für vielfältige Projekte rund um den deutsch-afrikanischen Dialog und ihr Ziel ist es, in ihrer neuen Heimat Deutschland ein besseres Verständnis für den bunten Kontinent Afrika zu vermitteln.

Das berufliche Wirken von Veye Wirngo Tatah ist wie ein bunter Teppich, in den die gebürtige Kamerunerin Tag für Tag neue Fäden webt. Mit jeder neuen Idee, mit jedem Projekt wird seine Fläche größer und farbenfroher. „Alle meine Aktivitäten haben im Prinzip den gleichen Mittelpunkt: meine Liebe zu meinem Heimatkontinent Afrika und meinen Wunsch, zu einem besseren Verständnis zwischen den Kulturen beizutragen“, sagt die Unternehmerin.

Selbstständigkeit nicht als Ziel, sondern als Ergebnis
Als die heute 37-Jährige 1991 nach Deutschland kam, hatte sie zunächst nur eines im Sinn: eine gute Ausbildung. Und so studierte sie an der Technischen Universität Dortmund zunächst einmal Informatik. Doch bereits während ihres Studiums entdeckt die junge Kamerunerin ein Betätigungsfeld, das schließlich im Laufe der Jahre zum Mittelpunkt ihres beruflichen Engagements werden wird: die Vermittlung zwischen deutscher und afrikanischer Kultur und den Abbau von Barrieren und Vorurteilen. Der Migrantin wird schon nach kurzer Zeit in Deutschland nur allzu schmerzlich bewusst, dass man in ihrer neuen Umgebung nur wenig über den bunten Kontinent Afrika oder gar über ihre Heimat Kamerun weiß. „Das Unwissen und die Vorurteile waren und sind groß. Die Darstellung von Afrika und seinen Bewohnern in vielen Filmen, Reportagen und Berichten war hauptsächlich negativ oder von Klischees geprägt und hatte so gar nichts mit den Erfahrungen, die ich selbst all die Jahre in Kamerun gemacht hatte, zu tun“, erzählt die Geschäftsfrau. Deshalb gründet sie zusammen mit interessierten Deutschen und Afrikanern 1998 das „Africa Positive Project“, einen Verein, der es zum Ziel hat, das reiche kulturelle, soziale und wirtschaftliche Leben Afrikas authentisch darzustellen. Wichtigstes Medium dieses Engagements wird das Magazin „Africa Positive“, dessen Herausgeberin und Chefredakteurin Veye Wirngo Tatah seit der Gründung ist. Die ehrenamtliche Projektarbeit wird für die Aktivistin zu einem wichtigen Schlüssel für die spätere Selbstständigkeit. „Als Koordinatorin von mehr als 30 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die über Deutschland und Afrika verteilt sind, habe ich mir wichtige Führungsqualitäten angeeignet“, findet sie im Rückblick.

„Bereits heute warnt das Institut der Deutschen Wirtschaft davor, dass aufgrund des demographischen Wandels die Zahl der Existenzgründungen in Deutschland bis zum Jahr 2050 um 32 Prozent zurückgehen könnte. Aus diesem Grund hat es sich die bundesweite gründerinnenagentur als einziges bundesweites Service- und Kompetenzzentrum zur unternehmerischen Selbstständigkeit von Frauen über alle Branchen und Phasen der Existenzgründung zum Ziel gesetzt, mit ihrer Arbeit verstärkt Migrantinnen für die Chancen der beruflichen Selbstständigkeit zu sensibilisieren. Gerade der bikulturelle Hintergrund der Zuwanderinnen ist im Zuge sich immer globaler vollziehender Wirtschaftsprozesse ein fachlicher Mehrwert, denn die Erfahrungen aus verschiedenen Kulturräumen erleichtern es, die Bedürfnisse internationaler Zielgruppen noch gezielter aufzugreifen. “, so Iris Kronenbitter, Projektleiterin der bundesweiten gründerinnenagentur (bga).

Die Beschaffung finanzieller Mittel für das ehrenamtliche Projekt mündet in die erste nebenberufliche Gründung
Doch ganz ohne Geld funktioniert auch das Ehrenamt nicht. Und so arbeitet die inzwischen fertig studierte Informatikerin nicht nur ohne Honorar für ihr Herzensprojekt und geht ihrem Job als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der TU Dortmund nach, sondern sucht auch nach einer zusätzlichen Einnahmequelle, um die Druckkosten für ihr Afrika-Magazin, das in Bahnhofsbuchhandlungen und über Abos verkauft sowie über Schulen, Universitäten, Botschaften, Konsulate und Kultureinrichtungen kostenlos verteilt wird, zu erwirtschaften. Auf einer Veranstaltung mit Afrika-Schwerpunkt und exquisitem westafrikanischen Büffet fragen die Gäste sie, wo man afrikanisches Catering bestellen kann. Und so fällt 2003 der Startschuss für Kilimanjaro Food, ein Catering-Unternehmen, das Veye Wirngo Tatah zunächst als nebenberufliche Gründung realisiert.

„Ich habe mir ein Netzwerk aus afrikanischen Frauen aufgebaut, die landestypische Gerichte kochen, und damit begonnen, das Angebot zu vermarkten“, erklärt die hoch motivierte Dortmunderin. Da sie kaum Geld für Werbung hat, wirbt sie im Internet, verteilt Flugblätter und schaltet die eine oder andere Anzeige. „Zuerst hatten wir nur alle paar Wochen einen Auftrag, doch im Laufe der Zeit sprach sich unser Angebot immer mehr herum und mittlerweile liefern wir nicht nur in Dortmund, sondern in mehrere weitere Städte im Ruhrgebiet unsere afrikanischen Spezialitäten“, sagt die Gründerin voller Stolz. Dass der Aufbau des Catering-Service ohne finanzielle Mittel eine Weile dauert, stört die Geschäftsfrau nicht. „Ich bin es gewohnt, auch mit wenig zurechtzukommen. Und wenn man nur hartnäckig genug ist, kann man jedes Ziel erreichen“, sagt sie zuversichtlich. Ihr ungebremster Optimismus und der Glaube an die eigene Tatkraft ist vielleicht auch ein Geschenk ihrer Herkunftskultur. „In Afrika sorgt der Staat so gut wie gar nicht für die Menschen, so dass sie selbst zusehen müssen, wie sie ihr Auskommen finden. Vielleicht tun wir uns deshalb mit der beruflichen Selbstständigkeit leichter und fangen einfach an“, glaubt die Geschäftsfrau.

„Eine nebenberufliche Gründung ist für viele Frauen eine gute Gelegenheit, ihr Geschäftsmodell in der Praxis zu testen und erste Erfahrungen als Unternehmerin zu sammeln. Die Netzwerkpartnerinnen und -partner der bga bieten für Migrantinnen besondere Beratungsangebote, die die Belange der Zielgruppe zielgerichtet aufgreifen und es den Frauen erleichtern, einen passgenauen Einstieg in die Existenzgründung zu finden“, so bga-Projektleiterin Iris Kronenbitter.

Aus der positiven Zwischenbilanz wird der Sprung in die hauptberufliche Selbstständigkeit
2008 wird für Veye Wirngo Tatah zum Jahr der großen Bilanz und zum endgültigen Aufbruch. „Mir wurde immer klarer, dass ich zwar gerne als Informatikerin arbeite und auch meine inzwischen begonnene Promotion abschließen möchte, aber meine eigentliche Berufung liegt in der Afrika-Arbeit“, erzählt sie. Das Catering-Unternehmen hat nach fünf Jahren Aufbauarbeit bereits einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht und aufgrund der „Africa Positive“-Aktivitäten ist die 37-Jährige inzwischen eine gefragte Expertin, die für Fernsehsendungen und öffentliche Vorträge gebucht wird. Und so entschließt sich die Dortmunderin, nach Ablauf ihres Vertrags an der Uni, sich ihrer Liebe zu Afrika hauptberuflich als Beraterin und Projektmanagerin zu widmen.

Finanzierung – für Migrantinnen immer noch ein Problem
Hatte die Gründerin den Aufbau von Kilimanjaro Food noch aus eigenen Mitteln bestritten, so erleichtert ihr der von der Arbeitsagentur bewilligte Gründungszuschuss nun den Einstieg ins professionelle Beratungsgeschäft. „Wenn man kein Kapital hat, braucht man sehr viel Ausdauer, um geschäftlich voran zu kommen. Es geht dann eben langsamer, aber es geht“, sagt die Afrika-Expertin, die selbst gelernt hat, auch mit geringem Kapitaleinsatz viel zu erreichen. Spezielle Fördermöglichkeiten für gründungsinteressierte Migrantinnen und Migranten sind aus Sicht der Unternehmerin eine hilfreiche Basis für die Integration von Zuwanderinnen und Zuwanderern. „ Es ist wichtig, sich beruflich entwickeln zu können“, bekräftigt sie. Für die Etablierung ihres neuen Beratungsangebots – sie möchte vor allem mittelständische Unternehmen, die über eine Expansion nach Afrika nachdenken, beraten und Bildungsprojekte realisieren – ist die Gründerin deshalb auch selbst noch auf der Suche nach weiteren Finanzierungsmöglichkeiten. „Ich bin zwar bisher gut zurecht gekommen, aber mit Hilfe eines Kredits könnte ich den Aufbau meines Business natürlich deutlich schneller vorantreiben“, sagt sie.

„Die bundesweite gründerinnenagentur hat seit 2007 ihr Engagement für die Unterstützung von Existenzgründerinnen mit Migrationshintergrund deutlich ausgeweitet. Mit Veranstaltungen unter dem Motto ‚Migrantinnen unternehmen was!’ tragen wir gemeinsam mit unseren Partnerinnen und Partnern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik dazu bei, dass sich das Gründungsklima für Migrantinnen verbessert. Wie lohnenswert diese Aktivitäten für die deutsche Wirtschaft sind, zeigen die von der Bundesregierung 2008 vorgelegten Zahlen. So ist der Frauenanteil bei den Gründungen mit Migrationshintergrund in den letzten zehn Jahren um zehn Prozent gestiegen. Dieser Aufwärtstrend ist mit einem Zuwachs an Arbeitsplätzen verbunden, der die deutsche Wirtschaft nachhaltig stärkt“, so bga-Projektleiterin Iris Kronenbitter.

Freizeit? Für Unternehmerin mit Familie eher die Ausnahme
Bei allem beruflichen Engagement gelingt es Veye Wirngo Tatah nicht zuletzt aufgrund ihres Organisationstalents, immer auch genügend Zeit für ihre beiden Söhne, die heute acht und zwölf Jahre alt sind, zu finden. „Ich habe so gut wie keine Freizeit“, sagt die 37-Jährige und lacht. „Da ich meine Kinder bereits während des Studiums bekommen habe, bin ich es gewohnt, mit verschiedenen Aufgaben gut klar zu kommen. In der Informatik nennt man das Multitasking.“ Als Einschränkung empfindet die Migrantin ihr knappes Zeitbudget aber nicht. „Meine Selbstständigkeit ist meine Berufung und deshalb bin ich mehr als zufrieden“, sagt sie überzeugt.
 
Zukunftspläne: Andere Migrantinnen beim Schritt in die Selbstständigkeit unterstützen
Veye Wirngo Tatah ist in den 17 Jahren, die sie schon in Deutschland lebt, angekommen. „Ich mag Deutschland und fühle mich hier sehr wohl“, sagt sie. Ihr bisheriges berufliches und ehrenamtliches Engagement wurde sogar von Bundespräsident Horst Köhler bereits lobend anerkannt – er lud die Gründerin zum Neujahrsempfang 2009 ins Schloss Bellevue ein. Ihr Beratungsgeschäft läuft gut an: „Ich war bereits als Expertin in Sendungen des ZDF und SWR zu Gast und halte viele Vorträge über Afrika.“ Der nächste Schritt: Gemeinsam mit anderen Afrika-Expertinnen und -Experten aus ihrem Netzwerk den Bereich der Firmenberatung auszubauen. Darüber hinaus möchte sie, die es nun geschafft hat, sich beruflich in der neuen Heimat zu etablieren, auch ein Vorbild für andere afrikanische Migrantinnen sein und sie auf dem Weg in die Selbstständigkeit unterstützen. „Ich habe mir im Laufe der Jahre sehr viele unternehmerische Fähigkeiten angeeignet und dieses Wissen möchte ich gerne weitergeben, damit es meinen Landsleuten leichter fällt, in Deutschland anzukommen und auch beruflich Fuß zu fassen“, sagt die Beraterin voller Optimismus.

Zur Unternehmenswebsite: www.kilimanjaro-food.de




Impressum